Frank H. Sauer

GEDICHTE

Menschenwelten

Der Mensch verliert oft unverhohlen,
sein Gesicht, als wär´s gestohlen;
die Sinne sind´s zwar, was viel schlimmer,
doch sehend unwahr, taub wie immer.
 
Der Zufall erntet viel Vertrauen,
er kommt daher und zeigt die Klauen;
doch feiern kann nur der gewinnt,
als ob er Zukunft hat ersinnt.
 
Harmonie, das merk´ Dir gut,
liegt in der Luft und die tut gut,
wenn rein von Unrat diese ist
und voll von Tat, statt geistig Mist.
 
Der Welten Lohn, der Ausgleich ist,
ist manches Hohn, gar scheinbar Twist.
Wer Wahrheit sucht und danach trachtet,
wird oft gebucht und stets beachtet.
 
Ein Fazit sei hier angebracht,
weil´s schön und unbedacht;
Wer andern eine Grube wünscht,
hat seine Klarheit übertüncht.

   

Der Wille

Rennt der Wille gegen Mauern,
so kann es auch mal länger dauern;
beharrlich ist das scheinbar nicht,
denn weg der Weg ist aus das Licht.
 
Rennt die Mauer wider willen,
kann das Licht den Durst nicht Stillen;
setz´ Dich hin und denke nicht,
von alleine kommt das Licht.

   

Es werde Licht

Einst hat einmal ein Mensch erfahren,
was es heißt, sich selbst bewahren.

Ihm wurde plötzlich hell im Herzen,
was verlief nicht ohne Schmerzen,
als er sich laut an Gott gewendet,
ihm vorwarf, er sei stets geblendet.

Das Menschenleid - ja siehst Du´s nicht,
wahrscheinlich seit erstrahlt das Licht.

Gott fragte ihn, was er wohl mache,
wenn es denn wäre, seine Sache.

Der Mensch hielt inne, überdachte,
lange, bis er schließlich lachte.

Lieber Gott Du hast ja Recht,
ohne Licht, da ging´s uns schlecht.
Geblendet sind wir voller Gnaden,
im Dunkeln fressen uns die Raben.

Was sinnhaft ist, das weiß der Thor,
jetzt deutlich wie noch nie zuvor.

Die Moral von der Geschicht´,
immer wieder wird es Licht,
doch ständig scheint ´s und ins Gesicht.

   

Der Kluge

Der häufig Kluge weiß gewiss,
dass er macht selten viel Geschiss.

   

Laune

Wir bilden uns so manches ein,
und streben nach dem großen Sein.
 
Der Verdruss siegt zu manch´ Tageszeiten,
die uns zum Verharren leiten.
 
Einst sprach ein großer Meister frech,
denn er hat ´s satt mit diesem Pech.
 
Die Welt bin ich, und das macht Laune,
auch wenn so mancher drüber staune.

   

Der Baum

Es war ein mal ein schöner Baum,
der stand auf einer Wiese.
Man wollt in fäll´n an seinem Saum,
wo er doch ist ein Riese.
 
Der Baum sprach zu dem Fäller laut,
als hätt´ er keine Ohren,
wer mich am Tag´ der Wiese klaut,
sein Herz ist wohl erfroren.
 
Der Fäller fiel auf seinen Steiß,
ein Baum der spricht ist neu.
Und auch sein Hirn gefror zu Eis,
ersetzt sodann das Heu.

   

Der Sieger

Verlieren ist gar keine Kunst,
das sieht, wer milde schaut.
 
Versteckt und hinter trübem Dunst,
das leuchtend ist und nicht versaut,
sieht man den wahren Schatz verzückt,
ganz furchtlos mit ein wenig Scham,
dann weiß man, dass das ist verrückt,
als wenn´s ihn überkam.
 
Den nennt man Sieger,
auch wenn´s kraftlost scheint,
erst wenn der Krieger,
seine tapf´ren Tränen weint.

   

Tage

Ein kluger Mensch hat mir gesagt,
das ich bald sei, wie er betagt;
und dann ich sicher, weiß wie er,
dass jener Tag kommt nimmer mehr.
 
Die Tage zähl´ ich trotzdem nicht,
denn jetzt zählt wie steh´ ich im Licht.
Wenn er nur wüßt´ was er versäumt,
wenn er von früher weinend träumt.

   

Unterm Tisch

Man kann viel denk en oder sagen,
kann es wünschen, danach fragen,
wird es fühlen im Gemisch,
oder wühlen unterm Tisch,
wo´s verschwand nach blinder Tat,
denn keiner wusste hierfür Rat.
 
Worum´s hier geht, ist noch nicht klar,
drum will ich’s sagen, was es war,
was wir verloren seiner Zeit,
für scheinbar eine Ewigkeit:
 
Es ist das Leben mit den Seinen,
die uns lieben, dabei scheinen,
wie ein Licht das niemals wich,
auch wenn es scheint - nur unterm Tisch.

   

Die Stimme Gottes

Es sprach zu Dir der liebe Gott,
so zwischendurch, als Du gestresst,
Dein Leben plantest, wie so oft,
morgens, Schweiß durchnässt.
 
Was er da sagte, war grandios,
als hättest Du´s gewusst,
Du warst jetzt alle Zweifel los,
Dir wurde wieder mal bewusst,
 
dass alles, was sich dauernd dreht,
um Dich und Deine Sorgen,
wie vom Winde ist verweht,
wenn Du vergisst das Morgen.
 
Auch Gestern sollst Du nicht mehr missen,
denn das ist ja vorbei,
nun schmieg´ Dich wieder in die Kissen,
und denk ans Frühstücksei.

   

Jetzt ist gut
(kein Gedicht; hätte eines werden sollen, ...)

Warum ist jetzt gut und was bedeutet diese göttliche Kunde?
Formulieren wir diese Aussage um und werden dabei konkreter: Nur die Gegenwart (der aktuelle, unendlich kurze Augenblick) ist real, greifbar, veränderbar. Real, da nur dieser Moment tatsächlich existiert; greifbar, da man ihn fühlen und erleben kann; veränderbar, da hier die Schaltzentrale für die Vergangenheit und die Zukunft ist.
Gestaltet (geschaltet) wird die Vergangenheit durch die Art der Betrachtung derselben; die Zukunft wird in diesem Moment erschaffen. Das klingt etwas einfach? Es ist noch einfacher, wenn man beim Reflektieren dieses Ausspruchs „Jetzt ist gut“ nicht denkt, sondern seine volle Aufmerksamkeit auf diesen einen Moment richtet.
Unweigerlich fängt man an, den Fluss der Zeit zu spüren, die in diesem Moment aufgelöst wird.
Der Ausspruch JETZT IST GUT ist also ein Credo an das Leben und eine Absichtsbekundung zur Qualität des Momentes.
Je länger man eine Sache betrachtet, desto größer wird sie.
Jetzt ist gut!
  
19. April 2007

   

Sprüche


Wer zuletzt weint, lacht am ehesten.


Gewinn ist, Verlust hinzunehmen.


Ein guter Spruch ist wie ein Fazit ohne Ende.


Ein Zeitplaner ist die fleischgewordene Illusion eines nicht länger verschwendeten Lebens.


Die Wege kurz, die Träume lang, das klingt nach lieblich´ Wohlgesang.

Impressum   |   www.davinci3000.com   |   insights-music.de   |   outsights.de