Kapitel 16: EMOTIONEN

Die Theorie
Sicherlich haben Sie schon mal was von „emotionaler Intelligenz“ gehört.
Zahlreiche Tests und Bewertungen sagen aus, dass es wichtig und gut ist, dieses Gebiet zu beleuchten und darüber Bescheid zu wissen. Ganz besonders als nach Erfolg strebender Mensch.
Ich bin zwar der Meinung, dass man das auch intuitiv wissen kann und das völlig ausreicht, um ein glückliches Leben zu führen. Es kann jedoch in der modernen, immer hektischer werdenden und oberflächlichen Welt nicht schaden, zumindest annähernd zu wissen, warum wir zeitweise mit schlecht kontrollierbaren Gefühlen konfrontiert werden und dadurch unser Handeln positiv oder negativ beeinflusst wird.

Was sind Emotionen?
Emotionen sind von der Natur gegebene, mehr oder weniger rationelle Reaktionsmechanismen, die sich teilweise auf den gesamten menschlichen Organismus auswirken. Meist ist es ein Überlebens- und/oder Schutzmechanismus der in Verbindung mit Kommunikation auch auf andere Lebewesen wirkt oder wirken soll.
Emotionen unterscheiden sich durch deren Stärke und Dauer sowie deren Sichtbarkeit und Ursächlichkeit auf die Auslöser. Beispiele:
- Angst, Furcht
- Wut, Empörung
- Zermürbtheit, Niedergeschlagenheit
- Freude, Heiterkeit
- Begeisterung
- Arglist, Bosheit
- Künstlerisches Ausschweifen, Enthusiasmus

Warum wir Emotionen überhaupt haben, ist selbstverständlich eine sehr interessante Frage, denn mancher würde sie gerne einfach abstellen, so wie manch anderes, was er nicht unter Kontrolle hat. Emotionen sind natürliche Überlebenshilfen, die zeitweise außer Kontrolle (gemäß Definition 1) geraten und dann das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich unsere Zielsetzung bzw. Absicht war.

Zur richtigen Zeit, die richtige Emotion
Es ist sehr gut, wenn man der Situation angebracht, die entsprechende Emotion auslebt. Es ist sogar überlebenswichtig und verhindert des Öfteren körperliche Krankheiten (wenn das die Ärzte wüssten).
Ich betone jedoch gerne, dass es sich nur dann um „gutartige“ Emotionen handelt, wenn sie der Situation entsprechen, d.h. angebracht sind.
Es ist ähnlich wie mit Nährstoffen oder Bakterien, die Gesundheit eines menschlichen Organismus zerstören aber auch fördern können.
Wenn die emotionale Reaktion zu lange dauert oder zu heftig ist, dann kann es zu noch schlimmeren Emotionen führen, für die es keine angebrachte Situation gibt.
Wenn eine Emotion nicht der Situation entspricht, kann sie sogar die Situation selbst auslösen, insofern die Person in ursächliche Handlungen ganz oder teilweise eingebunden ist. Beispiel: Wenn Sie beim Auto fahren Angst haben einen Unfall zu verursachen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer passiert, wesentlich größer.

Emotionen und Ziele
Was hat das nun mit Zielen zu tun? Eine ganze Menge: Emotionen fördern oder behindern Kreativität sowie die Fähigkeit konstruktiv oder destruktiv zu denken und zu handeln. Wie kann ich meine Emotionen nun so steuern, dass sie mir mehr nutzen als schaden? Das scheint nicht möglich, denn jeder von uns kennt Momente im Leben, wo er sich selbst nicht steuern konnte, es sogar anfangs als unangenehm empfunden wird Zurückhaltung dabei zu haben, was innen „brodelt“ heraus zu lassen, wenn man versucht sich unter Kontrolle zu bekommen.
Emotionen müssen raus. Das wissen auch Psychologen und stellen sich dafür gerne zur Verfügung. Leider sucht man diese Leute nur auf, wenn es darum geht, negative Emotionen oder Empfindungen zu behandeln bzw. die Probleme, die aus einem Rückstau entstanden sind zu lösen. Es wäre klüger man würde solche professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es darum geht die positiven Emotionen heraus zu posaunen, denn dann würde das Anstauen von negativen Emotionen verhindert werden.
Wir können also festhalten - und zwar ganz einfach ausgedrückt, dass es klug ist, sich darauf zu konzentrieren positive Reaktionen zu zeigen - in welcher Form auch immer. Denn damit öffnen wir den Kanal für unsere ganzen Empfindungen nach Außen. Ebenso das positive Wirken auf andere Menschen.

Unsere Lehrmeister in Sachen Emotionen
Wenn man Kinder beobachtet, kann man sehr deutlich sehen, dass bei fast allen dieser Kanal völlig offen ist. Sie sprudeln und freuen sich und zeigen somit ganz offen und ehrlich ihren guten Geisteszustand. Gemeint ist damit ihre Fähigkeit offen, frei und ohne Gegenbetrachtungen zu denken und zu handeln. Kinder wissen intuitiv sehr genau, dass dies eine Art der Offenbarung ist und dass sie dadurch auch sehr ursächlich ihr Umfeld beeinflussen können. Manchmal benutzen sie das sogar um Erwachsene zu kontrollieren. Wir „Grossen“ empfinden das als meist als sehr angenehm und umgeben uns gerne mit Kindern (vor allem mit kleinen), da sie eine große Energiequelle darstellen.

Die Hauptursache für emotionales Ungleichgewicht
Da Erwachsene nicht gerne beherrscht werden wollen - obwohl das durchaus nicht immer schlecht sein muss - wehren sie sich dagegen. Das können sie recht einfach, denn sie sind scheinbar klüger als die unwissenden Kinder und verordnen ihnen Verhaltensregeln. Diese Regeln sind sehr einfach und können im Prinzip leicht angewendet werden. Kaum jemand bemerkt, dass es sich dabei um das „klein machen“ eines Individuums - also seelische Unterdrückung - handelt, die gut getarnt als erzieherische und oft auch als pädagogisch wertvolle Maßnahmen gerechtfertigt werden.
Da Kinder zwar eine Menge Weisheit und Vernunft haben (das müssen Sie mir jetzt einfach mal glauben) aber leider kein Wissen, wie diese Welt mechanisch funktioniert, ist es ein leichtes nach mehr oder weniger heftigen mechanischen Ermahnungen die Sache wieder in den Griff zu bekommen. Die Kinder, die man nicht unter Kontrolle bekommt, sind schwer erziehbar und werden als Problemfälle eingestuft. Ist doch logisch. „Bist Du nicht willig, so brauch´ ich Gewalt!“
Im Laufe der Zeit werden Kinder mit merkwürdigen Regeln vollgestopft. Sie erkennen die Eltern und Lehrer in der Schule als weise Vorbilder an und nehmen nach und nach deren Weltbild in Empfang. Sie haben keine andere Wahl.
Es entsteht mit den Jahren des Heranwachsens ein emotionales Ungleichgewicht, da zum Beispiel schon sehr früh ein überschwängliches Herumtoben als nicht wünschenswert herabgestuft und letztendlich ausgeschaltet wird, bevor es ganz natürlich verschwindet.
Das ist nur eines von unzähligen Beispielen, wie ein menschliches Wesen während des Heranwachsens klein gemacht wird und sich somit letztendlich auf das niedrigere Niveau der Erwachsenen einpendelt.
Dann ist das Ungleichgewicht der emotionalen Freiheit erreicht, das viele zu Therapeuten oder andere Kompensatoren - wie Medikamente oder ähnliches - treibt.

Gefühle und Träume bewegen unsere Ziele
Einer meiner Mentoren sagte mir mal, um mich zu korrigieren: „Man darf einen Fehler niemals mit einem anderen Fehler kompensieren“. Ein sehr weiser Spruch, denn wenn man so verfahren würde, und das immer wieder, dann entsteht eine ständig größer werdende Abweichung von der Ideallinie, also ein Abstand zu den Naturgesetzen und Lebensprinzipien.
Ziele bestehen aus rationellen Überlegungen und aus emotionalen Beweggründen. Wenn wir uns rationell und intelligent eine erträumte Sache ausmalen, aber im Gegenzug negative Emotionen dabei haben, fällt uns das notwendige TUN viel schwerer.
Oft ist es eine willkommene Entschuldigung aus emotionalen Gründen versagt zu haben. Da es fast jedem so geht, stimmt auch fast jeder damit überein und so haben wir eine gute Rechtfertigung. Aus diesem Grund müssen wir unsere Emotionen wie hier beschrieben unter Kontrolle haben. Wenn wir das schaffen, werden die positiven Emotionen die negativen Emotionen teilweise oder ganz auslöschen.
Wenn wir kleine Teilergebnisse produzieren und uns somit in Richtung unserer Ziele bewegen, dann werden wir dadurch erfolgreicher und kompetenter, was zur Folge hat, dass Glücksgefühle (also positive Emotionen) entstehen. Dadurch löschen wir negative Impulse, die uns bisher “unten” hielten, aus. Wir müssen natürlich lernen, auch kleine Erfolge richtig zu feiern.
Selbstvertrauen und Stabilität stellt sich ein - Angst und Minderwertigkeitsgefühle verschwinden.
Ich habe Menschen erlebt, die aus verlorener Lebensfreude und Traurigkeit regelrecht explosionsartig erwacht sind, indem Sie ihren eigenen Zielen treu wurden und schon bei den ersten Schritten in Richtung des eigenen Zieles kleine, aber wichtige Erfolge sammelten.
Also lautet die Formel für das Kontrollieren von Emotionen:
„Unterdrücke niemals positive Gefühle, auch wenn es für andere vielleicht lächerlich oder störend ist. Somit erschaffen wir eine natürliche Balance zu negativen Gefühlen, die dann dadurch ein ausgeglichenes Spannungsverhältnis erlangen. Das schafft Dynamik und Ausgeglichenheit.“
Kurz: hohe Motivation durch wiederhergestellte Integrität.

Weiter zum Kapitel: “Motivation

Autor: Frank H. Sauer
Datum: Dienstag, 12. August 2008 18:51
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5 Kommentare

  1. 1

    [...] auch Kapitel 16: Emotionen aus dem Buch “Spielend zum [...]

  2. 2

    Lieber Frank,

    nun habe ich eine Frage an Dich bezüglich Deiner nachfolgenden Ausführungen zu Deinem Kapitel “Emotionen”.

    Du führst an:

    “Es ist sehr gut, wenn man der Situation angebracht, die entsprechende Emotion auslebt. Es ist sogar überlebenswichtig und verhindert des Öfteren körperliche Krankheiten (wenn das die Ärzte wüssten).
    Ich betone jedoch gerne, dass es sich nur dann um „gutartige“ Emotionen handelt, wenn sie der Situation entsprechen, d.h. angebracht sind.”

    Woher kann man wissen, dass Emotionen der Situation entsprechen. Ich denke, dass jede Emotion in dem Moment, in der sie gefühlt wird eine auch oft “harte” Realität darstellt, in der man nicht in der Lage ist rationell zu hinterfragen, ob die Emotionen der Situation angebracht sind oder nicht.

    Ist Deine Ausführung nicht ein Widerspruch in sich selbst? Emotionen sind ein sehr interessantes Thema. Ich selbst frage mich oft, woher und warum Emotionen in mir lebendig werden, wo ich ganz tief in meinem Innersten einen intuitiven “Funken” fühlen kann, der mich fühlen und wissen lässt, dass ich in mich und mein ursprüngliches Gefühl vertrauen kann. Und dennoch schaffen meine Emotionen immer wieder mich völlig aus dem Konzept zu bringen.

    Ich möchte jeder Führungskraft meine Hochachtung aussprechen - denn die Ruhe, Weisheit und das Vertrauen in sich und sein Unternehmen beibehalten zu können und diese Zuversicht auch an seine Mitarbeiter weitergeben zu können wird sicherlich von vielen Arbeitnehmern gar nicht bedacht bzw. sogar ignoriert, anstatt das jeder Arbeitnehmer dafür dankbar ist, eine Führungskraft zu haben, die das Ruder auch in schwierigen Zeiten fest im Griff hat, um das Schiff (Unternehmen) und seine “lebensnotwendige funktionierende Mannschaft (Mitarbeiter) durch unrealistische Emotionen nicht zum Versinken zu bringen.

    Das ist für mich eine beeindruckende Stärke und Kraft, im Sinne von:

    Den Glauben und das Vertrauen in seine Unternehmensführung und somit in seine Intuition nicht zu verlieren, egal wie verwirrend und auch oft von einem selbst unnötigerweise falsch interpretierten Situation und den dabei entstehenden “negativen” Emotionen im Außen erscheinen mag.

    Liebe Grüße

    Natali

  3. 3

    Liebe Natali,

    so gesehen hast Du Recht. Aber so sollten wir das nicht sehen.
    Am Besten Du schließt die Augen und schaust auf das, was Du wirklich siehst, also wirklich WAHRnimmst.
    Das Ratio verhindert das Erkennen von Emotionen, da es sie nicht ertragen kann. Dabei entsteht ein verzerrtes Bild. Schalte das Ratio aus, tue so, als ob Du tun (und denken) kannst, was Du willst. Dann kommen die richtigen Emotionen hoch, denen man freien Lauf lassen soll.
    Ich weiß, dass das alles recht einfach zu sagen (schreiben) ist; wenn man “drin steckt” kann man ja nicht “drauf” schauen.
    Dennoch müssen wir lernen uns selbst zu beobachten - wertfrei und erkennend.
    Das ist ein Prozeß, der Geduld verlangt.
    Versuche diesen Trick: Wenn Du schnell sein willst (egal bei was), dann mach´ es gaaaanz langsam.
    So wie Goethe seinem Kutscher zurief, er möge bitte langsam fahren, denn er habe keine Zeit …
    ;-)

    Liebe Grüße
    Frank

  4. 4

    Lieber Frank,

    vielen Dank für Deine Gedanken zu meinen Fragen.

    Du hast mit ihnen fröhliche und zuversichtliche Emotionen in mir ausgelöst.

    Die Idee mit dem Beobachten von der Wahrnehmung seines Selbst ist eine wundervolle Idee, und ich denke, dass genau dieses Beobachten eine Herausforderung für jeden Einzelnen von uns ist, denn - es ist leichter andere zu beobachten, als uns selbst.

    Bei anderen meinen wir oft, alles zu erkennen bzw. wir bewerten unsere Erkenntnis. Was ja dem Gegenüber nicht wirklich hilft, da es nicht seine Erkenntnis ist, die er fühlt und wahrnimmt. Da ist es wirklich spannender uns selbst zu beobachten. Ich denke, dass die eigenen Erkenntnisse über sich selbst oft so “deutlich” sind, dass Dein Ausspruch:

    “Dennoch müssen wir lernen uns selbst zu beobachten - wertfrei und erkennend.”

    ein überaus hilfreicher und notwendiger Lernprozess ist, der uns hilft weiter zu wachsen, um “leichter” durchs Leben zu schreiten, wenn wir gelernt haben, nicht mehr andere und vor allem sich selbst zu bewerten.

    Ich musste über Deine Worte:

    “Wenn Du schnell sein willst (egal bei was), dann mach´ es gaaaanz langsam.”

    schmunzeln. Da hast Du genau den Punkt bei mir getroffen. Geduld! Ich danke Dir lieber Frank - ab jetzt bist Du durch Deine “weisen” Worte immer bei mir, denn ich bin seeeehr ungeduldig :-) - und ich freue mich, wenn Du und somit Deine Worte mich immer begleiten - denn Geduld ist sehr wichtig, um sich Zeit zu nehmen und zu bedenken, dass “langsam” getroffene Entscheidungen meist viel “konstruktiver” sind, als “schnelle” :-)

    Willkommen in meinem Verstand Frank :-) Dort wird es Dir nicht immer gefallen, aber mit jedem Tag „wachse“ ich immer mehr über ihn hinaus und bin immer mehr mit einer Intuition verbunden – und sie hat, wenn wir sie wahrnehmen, immer „positive“ Emotionen und Absichten und somit fühlt sich mein Verstand immer wohler und Du Dich dann dort auch :-)

    Liebe Grüße

    Natali

  5. 5

    Liebe Natali,

    ja, ich dachte mir das schon, ich war auch mal ein Ungeduldiger. Eine Erkenntnis hatte mir geholfen: Wenn sowieso alles relativ ist, und dadurch egal wird, dann gibt es keinen Grund irgendetwas haben oder erreichen zu “müssen”. Wir müssen nämlich nichts. Das Haben kommt automatisch mit dem Tun, und das Tun kommt automatisch mit dem Sein. Das Sein ist also alles, was uns interessieren sollte - sonst nichts.
    Die Welt ist Nichts, sie ist nur Musik, und die schwingt so, wie sie schwingt und das ist gut so.

    Alles Gute für Dich und Deine Geduld. Geduld beim Beobachten Deiner Gedanken und Taten.

    Frank

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