Kapitel 10: Probleme
Mal anders gesehen
Woher kommen Probleme?
Diese Frage ist leicht zu beantworten in dem wir es auf eine einfache Formel bringen:
Probleme resultieren aus Zielen! Je größer die Ziele sind, desto größer sind auch die Probleme!
Sie sind also direkt proportional.
Es ist Ihnen gestattet an dieser Stelle zu protestieren oder in Ohnmacht zu fallen, denn das tun manche meiner Seminarteilnehmer und Coaching-Kunden wenn sie dies zum ersten Mal hören.
Bitte versuchen Sie jetzt mal, losgelöst von bisherigen Betrachtungsweisen, dieses spannende Verhältnis von Zielen und Problemen zu betrachten. Es darf Ihnen gerne schwer fallen.
Lehnen Sie sich zurück und schauen Sie sich an, was es eventuell dazu noch zu erforschen gibt.
Ziele schaffen Probleme
Der Grund, warum wir vor großen Zielen oft Angst haben oder wir uns lieber kleine Ziele stecken, ist der, dass das immer auch mit entsprechend großen Problemen verbunden ist.
Also streben wir Zufriedenheit an, da wir dann keine Aktionen durchführen müssen, die uns Probleme bereiten und vor denen wir gegebenenfalls Angst haben.
Die Komplexität oder Größe von Problemen wird auch dadurch definiert, wie wir das persönlich empfinden. Diese Empfindung richtet sich nach unserer Fähigkeit ein spezifisches Problem (zum Beispiel eines bestimmten Fachgebietes) lösen zu können.
Wenn wir besonders kompetent sind in einer bestimmten Sache, dann stecken wir uns in diesem Gebiet auch größere Ziele, da wir die entsprechend großen Probleme leicht lösen können.
Meist gehen wir bis an die Grenzen des „Lösbaren“, da das unseren Erfolg ausmacht.
Beruflich gesehen ist man nur dann erfolgreich, wenn man besser ist als andere und große Aktivitäten auf große Ziele hin ausrichtet und diese erreicht.
Abbildung 7: Die Grafik verdeutlicht das Verhältnis von Zielen zu Problemen. Je größer (weiter oben) ein Ziel ist, desto größer (weiter unten) ist das daraus resultierende Problem. In der Mitte findet man Zufriedenheit, die auch Stillstand bedeutet, denn wo kein Ziel ist, ist kein Problem und wo kein Problem ist, gibt es kein Ziel. D.h. keine Aktivität, keine Passivität (keine Offensive, keine Defensive). Man hat „scheinbar“ alles erreicht und es tritt Stillstand ein.
Abbildung 8: Diese Grafik ist gleichbedeutend mit der vorherigen, nur ist es hier anders dargestellt.
Die Formel lautet:
Große Erfolge hat man durch das Erreichen von großen Zielen; indem man die dem großen Ziel äquivalenten große Probleme löst.
So einfach ist das - aber wo ist nun der Trick erfolgreich zu sein und Probleme zu lösen?
Dieses Thema ist immer das heißeste in meinen Gesprächen mit Coaching-Kunden.
Die eigentliche Standardfrage beim Ziele-Coaching lautet ja: „Was sind Ihre Ziele, Träume, Wünsche, etc.?“
Ein guter Coach stellt Ihnen diese Frage eben. Nur löst er dabei nicht den „Problem-Ballast“ in Ihrem Kopf auf, der bewusst oder unbewusst da ist. Ansonsten hätten Sie ja schon alles in Angriff genommen und wären super erfolgreich und ohne jegliche Probleme.
Abbildung 9: In der Grafik sehen Sie oben große Ziele und unten große Probleme. In Richtung Mitte (Zufriedenheit), werde die Ziele bzw. die Probleme kleiner. Was wir dabei auch beobachten können, ist dass sie auch zahlreicher werden, je kleiner sie sind. Diese Grafik dient der Darstellung von den grundsätzlichen Verhältnismäßigkeiten und könnte natürlich auch vielfältiger dargestellt werden. Sie können gerne eine ähnliche Grafik erstellen, um Ihre Probleme hineinzuschreiben und somit die Verbindungen und Verhältnismäßigkeiten zu erforschen und darzustellen.
Das Konfrontieren von Problemen
Wir müssen lernen unsere Probleme anzuschauen, sie zu konfrontieren , uns ihnen zu stellen. Wenn wir das auf die richtige Weise tun, dann erreichen wir viele Ziele fast wie von selbst. Also lautet die Frage zunächst: Welche Probleme haben Sie?
Seien Sie jetzt mal ganz ehrlich mit sich selbst und prüfen, was Sie belästigt oder was Sie daran hindert das zu tun, was Sie lieben.
Schreiben Sie diese Probleme auf eine Stück Papier, auch wenn es bei manchen schwer fällt. Schreiben Sie Ihre Probleme so deutlich auf wie möglich. Tauchen Sie in sie ein, und stellen Sie dabei bitte fest, dass es Ihre Probleme sind. Lassen Sie sich dabei Zeit und legen Sie das Buch dafür zur Seite (aber bitte nicht für immer).
Gerne dürfen Sie ein paar Tage auf der Suche nach „Ihren Problemen“ verbringen. Manche fallen einem nicht auf anhieb ein. Egal - weitermachen!
Wenn Sie sich dabei elend fühlen, hier ein Versprechen: „Wir werden diese Probleme“ gemeinsam lösen.
Den Weg zu den eigenen wahren Zielen zu beschreiten beginnt damit, seine Probleme zu erkennen und zu akzeptieren.
Schreiben Sie bitte nur Ihre Probleme auf – bitte nicht die der Nachbarn oder Freunde.
Vielen Dank!
In den „dicken“ Problemen steckt Potential
Wenn Sie das getan haben, suchen Sie sich das größte Ihrer Probleme aus.
So, nun widmen wir uns erst mal ausschließlich dieser „ungelösten Angelegenheit“.
Warum? Weil das größte Ihrer Probleme der Schlüssel zu den kleineren Problemen ist, was bedeutet, wenn das größte Problem gelöst ist, dann lösen sich auch viele andere Probleme wie von selbst. Das ist ein Naturgesetz!
Wenn dies nicht der Fall ist, war das von Ihnen definierte „größte“ Problem nicht wirklich das tatsächlich größte; in diesem Fall müssen Sie noch mal überlegen, ob Sie da nicht irgend etwas vergessen haben.
Wenn Sie jetzt Angst davor haben wirklich und ehrlich hinzuschauen, dann möchte ich Sie beruhigen und Ihnen versichern, dass dabei nichts schief gehen kann. Auch wenn verschiedene Psycho-Spezialisten behaupten, man brauche dafür unbedingt einen Fachmann an der Seite. Das ist zwar nicht völlig falsch, aber zumindest in Ihrem Fall, denn Sie sind jemand der durchaus in der Lage ist nach vorne und lösungsorientiert zu denken, denn sonst würden Sie dieses Buch nicht lesen.
Dieses Buch hat leider eine begrenzte Zielgruppe (ich würde mich hier sehr gerne irren), denn für solche Themen muss man über den eigenen Tellerrand hinaus sehen und hinaus greifen und das tun zweifelsohne nicht alle.
Fremdgesteuerte Probleme
Leider haben wir Probleme nicht nur aufgrund eigener Zielvorstellungen, sondern auch aufgrund von Aufgabenstellungen, die wir von außen bekommen.
Erinnern Sie sich bitte an das Kapitel „Die Falle“.
Es treten Probleme in verschiedenen Lebensbereichen auf. So haben wir zum Beispiel Probleme mit der Gesundheit, in der Familie, mit unserem Chef, mit Arbeitskollegen, mit unserem Auto, mit den Nachbarn, mit dem Finanzamt, mit Geld, mit Kunden und nicht zu vergessen - als Unternehmer oder Führungskraft - mit unseren Mitarbeitern.
Wir konzentrieren uns hier aber auf Ihre persönlichen Probleme, die aus Ihren persönlichen Zielsetzungen herrühren.
Die Ergründung eines Problems
Also, sie können jetzt getrost dem dicken Problem entgegentreten, denn es wird jetzt Zeit zum Wachsen.
Wie fangen wir die Problemlösung nun an? Wie gesagt, der erste Schritt ist, dass Sie das Problem ausführlich anschauen. Im Prinzip ist das schon der größte Teil der Übung.
Mit ein paar Fragen dazu, möchte ich Ihnen dabei helfen.
Bedenken Sie bitte: Auch Probleme, die andere für lächerlich halten, sind hier wichtig, insofern sie in Ihrer Vorstellung groß, unüberwindbar und/oder mit seelischen oder körperlichen Schmerzen verbunden sind.
Schreiben Sie die Antworten direkt darunter (Stichworte genügen, ansonsten bitte ein extra Blatt Papier verwenden).
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1. |
Wie lange haben Sie das Problem schon? | ________________ |
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2. |
Ist es extrem lästig oder tut es schon weh? | ________________ |
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3. |
Haben Sie den Drang das Problem zu lösen? | ja O | nein O |
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4. |
Was hat Sie davon abgehalten es längst gelöst zu haben: |
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a) | Faulheit, Trägheit oder Inkonsequenz? | ja O | nein O |
| b) | Unwissenheit? | ja O | nein O | |
| c) | Eine andere Absicht (Gegenziel) einer anderen Person? | ja O | nein O | |
| d) | Mangelndes Selbstvertrauen? | ja O | nein O | |
| e) | Es versteht mich niemand? | ja O | nein O | |
| f) | Abwertungen bzw. Herabsetzungen Ihrer Person oder Ideen? | ja O | nein O |
Tipps zur Problemlösung
Nun erhalten Sie Tipps, zu den möglichen Antworten, die Ihnen als Stütze und Hinweis für Ihre persönliche Strategie dienen sollen. Bitte halten Sie sich an diese Ratschläge und es wird garantiert bergauf gehen.
Zu Frage 1:
Wenn es länger als 2 Jahre andauert, dann ist das schon die Grenze des vertretbaren. Es heißt also zügig zur Tat zu schreiten. Wenn es schon fast das ganze Leben andauert, dann sollten Sie überlegen mal einen Coach aufzusuchen (Adressen finden Sie am Ende des Buches).
Zu Frage 2:
Wenn es extrem lästig ist, dann ist das Problem eigentlich leicht zu lösen, denn Sie können im Prinzip recht emotionslos an die Sache herangehen, mit etwas Mut und Tatkraft wird es schon gelingen. Wenn es weh tut, dann ist es eigentlich höchste Eisenbahn. Sollten Sie dabei Hilfe brauchen, dann suchen Sie sich Verbündete (siehe Kapitel „Mut“ - „Verbündete können helfen“).
Zu Frage 3:
Wenn Sie hier „ja“ gesagt haben, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Bei „nein“ überprüfen Sie bitte, ob Sie nicht längst aufgegeben haben oder einen Kompromiss eingegangen sind. Es gibt faule Kompromisse aber auch intelligente. Einen faulen Kompromiss sollte man auf jeden Fall nicht eingehen, wenn der Preis den man zahlt nicht in Relation zum gewünschten Ergebnis steht. Ein „fauler“ ist es auf jeden Fall, wenn es laut Frage 2 extrem lästig ist oder gar weh tut. Wenn Sie bei Frage 2 mit „nicht lästig“ sowie „es tut nicht weh“ geantwortet haben, dann handelt es sich hier nicht um ein wirkliches Problem.
Zu Frage 4:
a) = ja = Werden Sie sich selbst treu! Treiben Sie Sport oder frischen Sie anderweitig Ihren Geist auf. Appellieren Sie an Ihr Selbstwertgefühl.
b) = ja = Bilden Sie sich fort! kaufen Sie gute Bücher über das Thema Ihres Problems, um es sachverständig zu lösen. Achten Sie auf Seriosität und Kompetenz der Autoren. Auch das Internet bietet eine Menge Informationen zu fast jedem Thema. Oft ist hier sogar ein Erfahrungs- und Wissensaustausch möglich.
c) = ja = Gehen Sie nicht in die Falle! Lesen Sie das Kapitel „Das Kollidieren von Zielen“ und überlegen Sie, ob Sie nicht mehr Verantwortung übernehmen können. Wenn die andere Person destruktive Eigenschaften hat ist es besser, wenn Sie den Kontakt zumindest für einen längeren Zeitraum abbrechen, insbesondere wenn das Motiv der Person fragwürdig ist.
d) = ja = Machen Sie zunächst kleine Schritte zu kleinen Zielen und schreiben Sie unbedingt ein Erfolgsprotokoll! Lesen Sie das Kapitel „Persönliche Ziele“ - „Das Erfolgsprotokoll (Erfolgsjournal)“.
e) = ja = Lernen Sie sich so auszudrücken, dass man Sie verstehen kann! Meist ist das „nicht verstehen“ ein Kommunikationsproblem, d.h. Sie reden nicht in der Sprache, in der man Sie wirklich verstehen kann. Machen Sie aus Ihren Gedanken ein Konzept, das für andere interessant ist. Werben Sie für Ihre Betrachtungsweisen, indem Sie es sachlich und ausführlich beschreiben. Analysieren Sie die Gedankenwelt Ihrer Mitmenschen und lernen Sie deren Sprache zu sprechen.
f) = ja = Sagen Sie einer solchen Person, dass sie Sie gerade abgewertet hat, unmittelbar wenn sie es tut! Tun Sie das bitte unbedingt sachlich und ohne emotionale Ausbrüche, aber direkt und mit betonter Stimme. Nun hat Ihr Gegenüber die Gelegenheit sich zu korrigieren. Oft ist das Abwerten eines anderen Menschen eine unbewusste Handlung. Wenn man sie darauf hinweist, dass sie es tun, dann tritt meistens Besserung ein. Notfalls wiederholt man es, wenn es wieder vorkommen sollte. Wenn die andere Person das nicht respektiert und zumindest eine langsame aber akzeptable Verbesserung eintritt, dann haben Sie es mit einer Spezies Mensch zu tun, in dessen Umgebung selten Wachstum zu finden ist. In diesem Fall sollten Sie sofort den Kontakt abbrechen oder einen guten Coach aufsuchen.
Hier nun drei weitere Fragen:
5. Haben Sie immer noch den ehrlichen Wunsch dieses Problem zu lösen? - Wenn „nein“, dann sollten Sie einen guten Coach aufsuchen, der Ihnen zur Seite steht. Wenn „ja“, dann werden Sie es auch schaffen, wenn Sie die Ratschläge in diesem Buch ernst nehmen und sie umsetzen.
6. Werden Sie die Lösung jetzt angehen? - Wenn „ja“, überlegen Sie sich ganz genau den nächsten Schritt - nur den allernächsten Schritt. Wenn Sie ihn gefunden haben, dann tun Sie ihn am besten SOFORT. Wenn sie jetzt nicht starten können, dann war es nicht der aller-aller-aller-nächste Schritt. Fangen sie an etwas zu tun, auch wenn es nur ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung ist. Wenn Sie anfangen etwas zu „tun“ beseitigen Sie die innere Trägheit und die Rechtfertigungen, warum man es nicht tun kann entfallen. Wenn Sie sich in Bewegung gesetzt haben, dann hören Sie nicht auf aktiv zu sein.
7. Haben Sie eine Idee, wie Sie das Problem nun lösen können? - Na dann aber los. Gerne dürfen Sie das Buch nun zur Seite legen, um zur Tat zu schreiten. Sie dürfen aber gerne weiter lesen, denn das nächste Kapitel wird Ihnen noch den richtigen Schwung verleihen.
Ich behaupte, dass das Leben ein Spiel ist. Als ein Spiel ist es leider nicht mehr zu identifizieren, wenn wir auf zu große Probleme stoßen.
Wir müssen also den „Spielgeist“ wieder entdecken, in dem wir uns klar werden, was ein Spiel eigentlich ist und bewirken kann.
Weiter zum Kapitel “Das Spiel“


